21. März: 90. Jahrestag des Kapp-Putsches und seiner Niederschlagung
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Am Sonntag, den 21. März veranstaltet die DKP Dortmund, Gruppe Nord, das schon traditionelle Gedenken zum - diesmal 90. - Jahrestag des Kapp-Putches und seiner Niederschlagung. Dabei wird an die in den Kämpfen im Ruhrgebiet - in Dortmund - gefallenen Arbeiter, die die Republik verteidigten, erinnert.
Das Treffen zum Beginn der Ehrung ist um 12.30 Uhr am Eingang des Nordfriedhofs. Am Nordmarkt trifft sich um 12.00 Uhr eine Gruppe, die in einem Fahrrad-Korso zum Treffpunkt am Nordfriedhof fährt.
Vom Eingang aus folgt der gemeinsame Gang zum Denkmal für die gefallenen und von der KPD geehrten Kämpfer. Am Mahnmal gibt es eine kurze Feier mit Redebeitrag, Musik und Kranzniederlegung.
Die Rede von Ulli Schnabel:
In diesen Wochen werden die Gedanken wieder auf dramatische Ereignisse gelenkt, die sich vor 90 Jahren abspielten, aber von weitreichender, ja historischer Bedeutung waren. Es geht um die Niederwerfung des militaristischen Kapp-Putsches gegen die Weimarer Republik im März 1920 durch die einheitlich und entschlossen handelnde deutsche Arbeiterklasse. Was bewegt uns dazu, diesen fast ein Jahrhundert zurückliegenden Vorgängen unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden?
Zunächst die in der deutschen Geschichte einzigartige Tatsache, dass es Millionen Arbeitern, unterstützt von Angestellten, Beamten, Intellektuellen, Kleinbauern, Mittelständlern, durch ihre Massenaktion gelang, der gut organisierten und bis an die Zähne bewaffneten bürgerlich-junkerlichen Reaktion eine vollständige politische und militärische Niederlage zu bereiten und einen reaktionären Umsturz zu verhindern.
Der Kapp-Putsch war kein Blitz aus heitrem Himmel. Nach der Niederschlagung der Novemberrevolution gewann die bürgerliche Reaktion rasch an Boden. Einer ihrer abenteuerlichsten Vertreter war der ostpeußische Gutsbesitzer Wolfgang Kapp, Vorstandsmitglied der rechtskonservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank.
Vielerorts traten die Arbeiter nach Bekanntwerden des Putsches spontan in den Streik. Aktionsausschüsse wurden gebildet, in denen Vertreter der Arbeiterparteien, der Gewerkschaften, Betriebsräte und Arbeitslosenausschüsse zusammenwirkten.
Es blieb nicht bei Streiks. Schon in den ersten Tagen wurden vielfältige weitere Kampfmaßnahmen durchgeführt. In Bochum und Dortmund beispielsweise wurden die politischen Gefangenen befreit. Bereits in der Nacht zum 14. März entwaffneten dort revolutionäre Arbeiter Angehörige der Einwohnerwehr und der Sicherheitspolizei.
Eine entscheidende Rolle spielten die Gewerkschaften. Am 13. März riefen ihre Dachorganisationen, der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) und die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände (AFA), vertreten durch ihre Vorsitzenden Carl Legien und Siegfried Aufhäuser, zum Generalstreik zur Verteidigung der Republik und der Arbeiterrechte auf.
Die KPD hatte seit Monaten immer wieder, zuletzt in der „Roten Fahne“ vom 12. März, vor Putschen größten Stils der erstarkten Reaktion gewarnt und überraschende Aktionen der militärischen Putschisten vorausgesagt. Auch daraus erklärt sich, dass die Kommunisten überall in den ersten Reihen der Kämpfenden standen, vielerorts – in der Regel gemeinsam mit linken USPD–Funktionären - an ihrer Spitze.
Der einmütige Generalstreik und die außerordentlich erfolgreichen, für die militärische Macht des Regimes – und damit für das Regime selbst – bedrohlichen bewaffneten Aktionen der Arbeiter führten zum völligen Zusammenbruch des Putsches. Am 17. März mussten Kapp und Lüttwitz abtreten.
Die wohl folgenschwerste Auswirkung dessen, dass der triumphale Sieg der Arbeiter und anderen Demokraten über die Militaristen durch eine zutiefst reaktionäre Politik in ihre Niederlage umgefälscht wurde, liegt zweifellos darin, dass die reaktionäre, militaristische Armee nicht zerschlagen, liquidiert, sondern gerade von jetzt an zu einem ultrakonservativen und extrem volksfeindlichen „Staat im Staate“ und zu einem immer einflussreicheren politischen Faktor wurde. Erst dieses Machtinstrument hat den Übergang zur faschistischen Diktatur möglich gemacht.
Welche bleibenden, auch heute aktuellen Lehren vermitteln diese Ereignisse?
1. Sie zeigen, welche gewaltige Kraft, welche enormen Potenzen die in Konfrontation zum Großkapital und seiner Herrschaft stehenden Massen, insbesondere die Arbeiterklasse, entfalten können, wenn sie in politischer Aktionseinheit handeln.
2. Sie beweisen, welche scharfe, unverzichtbare Waffe der für die Verteidigung und Erweiterung ihrer politischen und sozialen Rechte kämpfenden Massen der politische Generalstreik ist.
3. Sie unterstreichen nachdrücklich die herausragende, unersetzliche Rolle der Gewerkschaften in solchen Massenaktionen und die nicht geringere Rolle der Entwicklung in den Betrieben, der Betriebsräte und gewerkschaftlicher Vertrauenskörper.
4. Im Kapp-Putsch erwies sich mit seltener Klarheit die politische Rolle des Militärs im bürgerlichen Staat als Bollwerk der Reaktion und über der parlamentarischen Demokratie schwebendes Damoklesschwert. Angesichts dieser einprägsamen geschichtlichen Lektion dürfte es sehr angebracht sein, allen Tendenzen der Militarisierung der BRD, des Ausbaus der inneren Funktion der Bundeswehr - ob unter dem Aushängeschild „Amtshilfe“ oder unter der Flagge „Zivil-Militärische Zusammenarbeit“ - mit höchster Wachsamkeit und ausgeprägtem demokratischen Misstrauen zu begegnen.
Am 17. März 1920 wurden bei den Straßenkämpfen gegen die Putschtruppen 12 Dortmunder Arbeiter erschossen. Sie wurden am 20. März hier auf dem Nordfriedhof beerdigt.
An sie denken wir heute und wiederholen das Versprechen: Euer Werk wird vollendet werden.
